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Kurz gefragt: „China in 10 Antworten“

Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis

Bitte stellen Sie sich kurz vor: Wer sind Sie, und in welchem Kontext beschäftigen Sie sich beruflich mit China?

Mein Name ist Xiaoli Chen. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Mein aktueller Projektbereich liegt im Bereich der internationalen Kooperation und des Technologietransfers. Zudem habe ich von 2020 bis 2021 am Weiterbildungs- und Transferinstitut der Technischen Universität Chemnitz gearbeitet. Damals war ich in verschiedenen deutsch-chinesischen Kooperationsplattformen aktiv, unter anderem als Koordinatorin für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China im Hochschul- und Industriebereich.

Beruflich beschäftige ich mich mit China vor allem im Kontext von Forschung, Lehre und Innovationskooperationen. Dazu gehören der Aufbau und die Steuerung gemeinsamer Projekte zwischen deutschen und chinesischen Universitäten sowie Industriepartnern, insbesondere in den Bereichen Industrie 4.0, intelligente Produktion, Logistik und digitale Transformation. Ich habe zahlreiche bilaterale Forschungs- und Weiterbildungsprojekte mit chinesischen Hochschulen und Unternehmen begleitet und verantwortet, sowie internationale Studien- und Trainingsprogramme organisiert.


Was war Ihre wichtigste persönliche oder berufliche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit China?

Meine wichtigste berufliche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit China war der Aufbau und die Koordination deutsch-chinesischer Kooperationsplattformen im Hochschul- und Industriebereich.

Besonders prägend war für mich die Arbeit an gemeinsamen Strukturen, in denen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Deutschland und China systematisch zusammengebracht werden. Dabei ging es nicht nur um einzelne Forschungsprojekte, sondern um den langfristigen Aufbau von Vertrauen, Kommunikationsstrukturen und nachhaltigen Kooperationsmechanismen.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie entscheidend kulturelles Verständnis, klare Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Industrie sowie eine kontinuierliche Moderation der Zusammenarbeit sind, um internationale Innovationsprojekte erfolgreich umzusetzen.


Warum ist China aus Ihrer Sicht heute ein relevanter Partner – wissenschaftlich oder wirtschaftlich?

China ist heute sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich ein sehr relevanter Partner. Wissenschaftlich spielt das Land insbesondere in Bereichen wie Industrie 4.0, KI und intelligenter Produktion eine führende Rolle und bringt eine hohe Innovationsdynamik ein. Wirtschaftlich ist China ein zentraler globaler Industrie- und Produktionsstandort mit engen Verflechtungen in internationalen Lieferketten, insbesondere mit Europa und Deutschland. Aus meiner Erfahrung zeigt sich, dass China nicht nur ein Markt, sondern ein aktiver Partner in der gemeinsamen technologischen Entwicklung ist.


Was unterscheidet die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern am stärksten von anderen internationalen Kooperationen?

Die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern zeichnet sich vor allem durch eine hohe Umsetzungsdynamik und starke Ergebnisorientierung aus. Projekte werden oft sehr schnell in die Praxis überführt. Gleichzeitig spielen Vertrauen und langfristige Beziehungen eine besonders wichtige Rolle. Zudem ist die enge Verzahnung von Wissenschaft, Industrie und staatlichen Strukturen ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen internationalen Kooperationen.


Welche typische Herausforderung tritt in der Zusammenarbeit mit China immer wieder auf?

Eine häufige Herausforderung in der Zusammenarbeit mit China sind unterschiedliche Kommunikations- und Entscheidungsprozesse, die zu Missverständnissen bei Erwartungen und Zeitplänen führen können. Zudem gibt es oft unterschiedliche Vorstellungen über Projektabläufe und Prioritäten. Daher sind ein kontinuierlicher Austausch und der Aufbau von Vertrauen besonders wichtig.


Gab es eine Situation oder auch ein Missverständnis, aus der Sie besonders viel gelernt haben?

Ja. In einem Kooperationsprojekt gab es einmal unterschiedliche Erwartungen hinsichtlich Zeitplanung und Entscheidungsprozessen zwischen den deutschen und chinesischen Partnern. Während auf deutscher Seite eine detaillierte Abstimmung vor jedem Schritt üblich war, wurde auf chinesischer Seite schneller mit der Umsetzung begonnen.

Aus dieser Situation habe ich gelernt, wie wichtig es ist, frühzeitig gemeinsame Prozessverständnisse zu klären und Kommunikationsstrukturen klar zu definieren, um Missverständnisse zu vermeiden und die Zusammenarbeit effizient zu gestalten. In China spielt zudem der Beziehungsaspekt im Projektkontext eine große Rolle: Wenn klar ist, wer mit wem verbunden ist, werden Themen oft schneller priorisiert und weiter vorangebracht.


Was hätten Sie gern gewusst, bevor Sie Ihre erste Kooperation oder Ihren ersten Forschungsaufenthalt in China begonnen haben?

Als Chinesin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, ist mir dennoch sehr deutlich geworden, dass diese kulturellen Unterschiede im Kooperationskontext weiterhin eine zentrale Rolle spielen und immer wieder bewusst berücksichtigt werden müssen.


Welche Kompetenzen oder Vorbereitungen sind aus Ihrer Sicht entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit China?

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit China sind vor allem interkulturelle Kompetenz, Verständnis für unterschiedliche Kommunikations- und Entscheidungsprozesse sowie der Aufbau von Vertrauen und Netzwerken entscheidend. Wichtig sind außerdem Flexibilität, Geduld und eine klare, kontinuierliche Kommunikation.


Wie hat sich der Austausch mit China in den letzten Jahren verändert – wissenschaftlich oder kulturell?

Der Austausch mit China hat sich in den letzten Jahren deutlich intensiviert und professionalisiert, sowohl wissenschaftlich als auch kulturell.

Wissenschaftlich ist eine stärkere Fokussierung auf angewandte Forschung, Innovation und schnelle Umsetzung zu beobachten, insbesondere in Bereichen wie Industrie 4.0, Digitalisierung und KI. Gleichzeitig sind die Kooperationsstrukturen komplexer und stärker institutionalisiert geworden.

Kulturell hat sich das gegenseitige Verständnis verbessert, jedoch sind Unterschiede in Kommunikationsstilen und Erwartungen weiterhin präsent. Insgesamt ist der Austausch heute dynamischer, aber auch anspruchsvoller und erfordert ein höheres Maß an Abstimmung und interkultureller Sensibilität.

Zudem gibt es immer mehr gemeinsame Studienprogramme zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen. Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) arbeitet beispielsweise seit über 20 Jahren erfolgreich im Rahmen eines Doppelabschlussprogramms mit der Tongji-Universität zusammen und verfügt dabei über umfangreiche Erfahrung.


Welche eine zentrale Erkenntnis oder Empfehlung würden Sie anderen Forschenden mitgeben?

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass erfolgreiche Zusammenarbeit mit China stark auf Vertrauen, kontinuierlicher Kommunikation und langfristigen Beziehungen basiert. Meine Empfehlung wäre daher, sich nicht nur auf Inhalte und Projekte zu konzentrieren, sondern bewusst Zeit in den Aufbau stabiler Netzwerke und ein gegenseitiges Verständnis der Arbeits- und Kommunikationskulturen zu investieren.


Das YiQi-Team bedankt sich ganz herzlich für das offene Gespräch, die spannenden Einblicke
und Ihren wertvollen Beitrag zu unserer Reihe „Kurz gefragt: China in 10 Antworten“.

Perspectives from Academia, Business, and Practice

Please briefly introduce yourself: Who are you, and in what professional context do you engage with China?

My name is Xiaoli Chen. I am a research associate at the University of Applied Sciences Zwickau. My current project work focuses on international cooperation and technology transfer. In addition, from 2020 to 2021, I worked at the Centre for Knowledge and Technology Transfer at Chemnitz University of Technology. At that time, I was active in various German-Chinese cooperation platforms, including as a coordinator for cooperation between Germany and China in the higher education and industrial sectors.

Professionally, I engage with China primarily in the context of research, teaching, and innovation cooperation. This includes establishing and managing joint projects between German and Chinese universities as well as industry partners, particularly in the fields of Industry 4.0, intelligent manufacturing, logistics, and digital transformation. I have supported and been responsible for numerous bilateral research and continuing education projects with Chinese universities and companies, as well as organized international study and training programs.


What was your most important personal or professional experience in working with China?

My most important professional experience in working with China was establishing and coordinating German-Chinese cooperation platforms in the higher education and industrial sectors.

What was particularly formative for me was working on joint structures that systematically brought together universities, research institutions, and companies from Germany and China. This was not only about individual research projects, but also about the long-term development of trust, communication structures, and sustainable cooperation mechanisms.

This experience showed me how crucial cultural understanding, clear interfaces between academia and industry, and continuous facilitation of collaboration are for successfully implementing international innovation projects.


Why, in your view, is China a relevant partner today—scientifically or economically?

Today, China is a highly relevant partner both scientifically and economically. From a scientific perspective, the country plays a leading role particularly in areas such as Industry 4.0, AI, and intelligent manufacturing and contributes a high level of innovation dynamics. Economically, China is a central global industrial and manufacturing location with close ties to international supply chains, particularly with Europe and Germany. From my experience, it is clear that China is not only a market, but also an active partner in joint technological development.


What distinguishes collaboration with Chinese partners most strongly from other international collaborations?

Collaboration with Chinese partners is characterized above all by a high degree of implementation dynamics and a strong focus on results. Projects are often transferred into practice very quickly. At the same time, trust and long-term relationships play a particularly important role. In addition, the close integration of academia, industry, and government structures is a key difference compared with many other international collaborations.


What typical challenge repeatedly arises when working with China?

A common challenge in working with China is differing communication and decision-making processes, which can lead to misunderstandings regarding expectations and timelines. There are also often different ideas about project processes and priorities. Continuous exchange and the development of trust are therefore particularly important.


Was there a situation or a misunderstanding from which you learned a great deal?

Yes. In one cooperation project, the German and Chinese partners had different expectations regarding scheduling and decision-making processes. While detailed coordination before each step was customary on the German side, implementation began more quickly on the Chinese side.

From this situation, I learned how important it is to clarify a shared understanding of processes at an early stage and to clearly define communication structures in order to avoid misunderstandings and make collaboration more efficient. In China, the relationship aspect also plays an important role in the project context: When it is clear who is connected to whom, topics are often prioritized and advanced more quickly.


What would you have liked to know before starting your first cooperation or your first research stay in China?

As a Chinese woman who has lived and worked in Germany for 17 years, it has nevertheless become very clear to me that these cultural differences continue to play a central role in the context of cooperation and must repeatedly be taken into account consciously.


Which skills or preparations do you consider essential for successful collaboration with China?

For successful collaboration with China, intercultural competence, an understanding of different communication and decision-making processes, and the development of trust and networks are particularly important. Flexibility, patience, and clear, continuous communication are also essential.


How has exchange with China changed in recent years - scientifically or culturally?

Exchange with China has intensified and become significantly more professional in recent years, both scientifically and culturally.

From a scientific perspective, there is a stronger focus on applied research, innovation, and rapid implementation, particularly in areas such as Industry 4.0, digitalization, and AI. At the same time, cooperation structures have become more complex and more strongly institutionalized.

Culturally, mutual understanding has improved, although differences in communication styles and expectations remain. Overall, exchange is more dynamic today, but also more demanding and requires a higher degree of coordination and intercultural sensitivity.

In addition, there are an increasing number of joint study programs between German and Chinese universities. The University of Applied Sciences Zwickau (WHZ), for example, has been successfully collaborating with Tongji University for more than 20 years as part of a double degree program and has extensive experience in this area.


What is one key insight or recommendation you would like to share with other researchers?

One key insight is that successful collaboration with China is strongly based on trust, continuous communication, and long-term relationships. My recommendation would therefore be not to focus solely on content and projects, but to consciously invest time in building stable networks and developing a mutual understanding of working and communication cultures.


The YiQi team would like to sincerely thank you for the open conversation, the fascinating insights, and your valuable contribution to our series “China in 10 Answers.”
Bundesministerium Forschung, Technologie und Raumfahrt WHZ Westsächsische Hochschule Zwickau Technische Universität Chemnitz